Seit letztem Jahr leite ich die AG Enterprise 2.0, eine von drei Arbeitsgruppen, einberufen vom Wirtschaftsministerium Niedersachsen.
Am vergangenen Freitag hatten wir auf der CeBIT die erste Vorstellung unserer Ergebnisse zusammen mit Ministerpräsident Wulff. Und er liess es sich nicht nehmen, für unser Projekt “Leader in the Digital Age Award” die Schirmherrschaft zu übernehmen.Hier der Ablauf im Video
Wir suchen den Leader, der es geschafft hat sein Unternehmen für das Digital Age zu transformieren – im Sinne des Enterprise 2.0 also offen, transparent und vernetzt. Welcher Leader hat es geschafft die Partizipation in seinem Unternehmen nachhaltig zu steigern?
Das Layout für den Preis haben wir übrigends auf Crowdspring designen lassen: Hier der Award und alle anderen 76 Vorschläge.
Wen sollten wir nominieren? Was meint ihr? Wer verdient es auf der CeBIT 2011 gebührend gefeiert zu werden?
Vorletzte Woche hatte ich die Gelegenheit bei einem Event über unsere Arbeit zu sprechen, dessen Veranstalter sich so erstmal gar nicht nach der schnelllebigen Welt des Web anhört. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V lud zum Seminar über Marketing 2.0 und ich hatte mit dem Vortrag „Enterprise 2.0 im Maschinenbau“ die Aufgabe eine Brücke zwischen diesen beiden Welten zu bauen.
Was macht die altehrwürdige Branche des Maschinenbaus in dem Feld des Unternehmens der Zukunft? Lassen sich die Prinzipien kollaborativen Arbeitens und damit natürlich auch der Einsatz von web 2.0 Tools und Diensten mit der Arbeitsweise eines mittelständischen Maschinenbauers vereinbaren? Ich war offen gesagt nicht wirklich sicher ob unsere Ideen zu diesem Thema nicht als ketzerischer Humbug abgetan werden würden.
Dem war aber glücklicherweise mitnichten so, ich erlebte ein ehrlich interessiertes Auditorium von 135 Teilnehmern, dass berechtigt gute Fragen stellte zum Sinn und zur Umsetzung von Web 2.0 Methoden in Unternehmen. Nach dem Keynote Speaker des Tages Prof. Dr. Gerald Lembke von der dualen Hochschule Baden-Württemberg Mannheim und Associate der Unternehmensberatung Dr. Kraus und Partner, der mit seinem Vortrag etwas über die jüngere Geschichte des Web und dem „Auslaufmodell des klassischen Marketingsmixes“ erzählte war ich an der Reihe.
Den Schwerpunkt legte ich auf den doubleYUU Dreiklang „listen – talk- co-create“ mit verschiedensten Beispielen versuchte ich mich der Branche anzunähern. Was besonders gut ankam war das Twitter live Beispiel von Veikko Wünsche und mir. In der Zugfahrt nach Frankfurt durchpflügte ich Twittter nach dem Hashtag #VDMA und #Maschinenbau und stieß so auf diesen Tweet von Veikko: http://twitter.com/veikkowuensche/status/8906940352
Nachdem ich spontan Kontakt aufnahm lernten wir uns beim Networking Dinner im Hotelrestaurant dann auch persönlich kennen und ein Vorteil war neben dem Effekt das der ganze Tisch schon vor meiner Ankunft von der Twitter Begegnung sprach, dass wir unsere Vorträge aufeinander abstimmen konnten. Veikko hatte den Vortrag „Follow me“ über die Nutzung von social media direkt nach mir, er ist Geschäftsführer von Lightwerk und arbeitet seit Jahren im Umfeld von Maschinenbauern und konnte so einige Beispiele von mir aufgreifen und vertiefen. Das ist Teamwork und wäre ohne Twitter nicht so einfach zustande gekommen.
Mein Vortrag beschäftigte sich mit den Fragen „Was bringt das aufmerksame Zuhören im Netz? Wie kann ich Kontakt mit potentiellen Kunden im Netz aufnehmen? Und wie kann ich letztlich gemeinsam mit meinen Kunden Produkte verbessern? In meinen Recherchen dazu fiel mir auf, dass die Maschinenbauer doch viel in geschlossenen Foren diskutieren. Die Angst vor dem Abziehen vertraulicher Daten durch die Konkurrenz ist doch stärker als der mögliche Nutzen den der gezielte Einsatz von social media haben kann. Dies bestätigte sich auch in den Fragen nach dem Vortrag noch einmal. Nachdem ich auf den Corporate Blog des General Motor Vizes Bob Lutz verwies, kamen dann auch Fragen zur direkten Umsetzung. Wie lange dauert es ein Blog zu betreiben? Soll man wirklich die eigenen Ingenieure bloggen lassen? Es wurde in großer Runde diskutiert ob man den Blog und stattfindende Diskussion nicht zugangsgeschützt laufen lassen sollte.
Natürlich konnte auch ich auf die Antworten nach Sicherheit und Kundenschutz kein Allheilspatent vorstellen. Ja es ist sicher möglich, dass man Konkurrenten durch Blogpostings auf eine Spur bringen kann. Aber erstens kann und sollte man klare Regeln des Corporate Blogging benennen und zweitens ist die wohl klarste Fährte auf die Konkurrenten kommen werden folgende: unsere Konkurrenz bloggt, spricht aktiv mit ihren Kunden und ist uns so eine Nasenlänge voraus!
Allerdings glaube ich nicht einmal das es nur an den Sicherheitsfragen liegt warum sich viele Unternehmen nicht freudig mit diesem Thema auseinandersetzen, ich habe da eher mangelndes Selbstbewusstsein gespürt. Wird es unsere Kunden interessieren? Was haben wir als Betonpumpenhersteller schon Relevantes zu sagen?
Das kann in eine gefährliche Zurückhaltung sein. Die Interaktion mit den Kunden findet heute zu einem nicht mehr wegdiskutierbarem Teil im Netz statt und der Aufbau einer kleinen aber starken Community aus loyalen Kunden und sogar Produktfans kann einen starken Mehrwert liefern.
Ich habe gerade in den Mittagspausen so viele wirklich interessante Geschichten gehört, ich fühlte mich in meine Kindheit zurückversetzt wo ich jeden Donnerstag gebannt die Sendung mit der Maus schaute um mir erklären zu lassen wie bestimmte Produktionsabläufe funktionieren. Diese Faszination nach Technik und den großen Maschinen ist es die ein Publikum anziehen wird und nebenbei ist das große Stück Industriegeschichte des deutschen Maschinenbaus definitiv etwas auf das man selbstbewusst zurückblicken kann. Die Gründungsgeschichte des genannten Betonpumpenherstellers z.B. eignet sich hervorragend als ersten Blogpost dazu. Der Vater des Gründers der Firma Putzmeister Dipl. Ing. Karl Schlecht sagte ihm:“ Wenn du es schaffst eine Maschine zu entwickeln die uns die mühsame Arbeit des Mörtelauftragens abzunehmen vermag, finanziere ich dir den Protoypen!“ Er hat es geschafft und heute sieht man auf allen großen Baustellen die gelben Betonpumpen von Putzmeister.
Ich wäre begeistert wenn sich Unternehmen aus alteingesessenen Branchen wie der Maschinenbauer, dazu entschließen würden den Dialog mit Ihren Kunden zu suchen. Und ich bin überzeugt, dass es einen wirklichen Mehrwert haben wird, von den Möglichkeiten des Bereichs co-create die durch die kollektive Kreativität entfesselt werden kann ganz zu schweigen!
Der deutsche Maschinenbau steckt hier definitiv noch in den Kinderschuhen, wie Prof. Lembke auch an dieser Stelle resümiert, aber ich bin überzeugt davon, dass es nicht mehr lange dauern wird bis die ersten Blogs entstehen!
Was meint ihr?
Ich bin als Dozent dabei – hier ein Auszug aus der Launch-Meldung. Bei Interesse: Hier buchen
„Die Deutschen verbringen durchschnittlich mehr als vier Stunden im Monat auf Social Media Seiten wie Facebook, YouTube, Twitter oder Blogs* – Tendenz stark steigend. Auch Unternehmen wissen um die Relevanz dieser Kommunikationskanäle, reagieren aus Unwissenheit, Angst oder fehlender Strategie oft aber noch sehr zurückhaltend auf die Diskussionen im sozialen Netz und lassen so Chancen ungenutzt verstreichen. Parallel wächst auf Unternehmensseite der Bedarf, sich entsprechendes Wissen anzueignen und gewinnbringend zu nutzen, jedoch sind umfassende Weiterbildungsangebote in Deutschland schwer zu finden. Diese Lücke schließt jetzt Deutschlands erste Social Media Akademie (SMA), die im Mai 2010 die ersten Online-Vorlesungen anbietet.
Social Media Experten bieten interaktive e-Learning Fortbildung gemäß Lehrplan. Im Rahmen des auf ein Trimester angelegten Lehrgangs der SMA vermitteln ausgewählte Dozenten den Teilnehmern ein solides Grundwissen und konkrete Handlungsanweisungen für den professionellen Einstieg in die sozialen Medien. In acht zwei- bis dreistündigen interaktiven Online-Video-Vorlesungen werden alle wichtigen Themenbereiche der Social Media abgedeckt: von den Grundlagen, über Communityaufbau, PR 2.0, Marketing, Vertrieb und Recht bis zur Strategieentwicklung.
„Das Herzstück der SMA aber sind unsere Dozenten. Diese gehören allesamt zu den Social Media Machern der ersten Stunde und zählen zu Deutschlands erfahrensten Experten auf diesem Gebiet. Neben einer jahrelangen praktischen Tätigkeit als Berater und Strategen verfügen sie auch über Lehrerfahrung in ihrem jeweiligen Fachgebiet”, erläutert Andreas Leonhard.
Der „Basis Lehrgang Social Media” richtet sich an Berufseinsteiger, Berufstätige zur Weiterbildung, Angestellte, Fach- und Führungskräfte, Marketing-, PR- und Vertriebsverantwortliche sowie Freelancer im Kommunikationsbereich. Das erlernte Wissen wird nach jeder Vorlesung mit einem Online-Zwischentest vertieft, am Ende des Studiums findet eine Abschlussprüfung statt.
Der „Basis Lehrgang Social Media” ist ab sofort unter buchbar und kostet, inklusive sämtlicher Lernmaterialien,
Dokumentation in Form von Videos und Abschlusszertifikat, 825 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Bis zum 15. März 2010 erhalten Frühbucher einen Rabatt von 150 Euro. Studenten und Start-Ups bekommen jederzeit zehn Prozent, gemeinnützige Institutionen 30% Nachlass.
In den letzten Monaten habe ich mit über 100 Organisationen zum Enterprise 2.0 gesprochen. Was mir immer wieder aufgefallen ist – der extrem hohe Bedarf nach Austausch über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg.
So hat bspw. Siemens mit TechnoWeb eine Netzwerkstruktur geschaffen, in der Mitarbeiter zu bestimmten Themen Fragen stellen können und unternehmensweit von Fachexperten Antworten bekommen. Und es funktioniert!
So setzen auch andere große Organisationen wie IBM auf diesen Austausch in wenigen Worten – bei manchen heißt es Status, Updates, Questions oder eben Microblogging wie wir es von Twitter kennen.
Ich glaube sehr stark an dieses formlose Netzwerk um innerhalb des Unternehmens Fragen zu beantworten und Experten zu finden. Und die Potentiale scheinen enorm – ca 6 Stunden pro Woche pro Mitarbeiter werden verschwendet (nach IDC). Deshalb dieses Whitepaper in Zusammenarbeit mit Jens Osthues von Communardo. Vielen Dank auch an Lars Brücher und Daniel Harbeck für ihre Unterstützung!
Was meint Ihr? Glaubt Ihr auch an hohe Produktivität des schnellen, formlosen Austauschs in Unternehmen?
Und was meint Ihr zu dem Thema?
Ich hatte die Ehre, nach einem kurzen Gespräch der Kanzlerin einen DNAdigital Kapuzenpulli zu überreichen. Und dass vor laufenden Kameras. In der Tagsschau.
Aus diesem Gespräch stammt auch der Satz aus der Kanzlerinnen-Rede: Digital Native sein ist ein Gefühl!