Enterprise 2.0 im Unternehmen
Der Begriff “Enterprise 2.0″ selbst wurde von Andrew McAfee, Associate Professor an der Harvard Business School, geprägt. Für ihn bezeichnet Enterprise 2.0 den Einsatz sich selbst entwickelnder Social-Software-Plattformen innerhalb des Unternehmens beziehungsweise zwischen dem Unternehmen und seinen Partnern und Kunden.
Maßgeblich für ein Enterprise 2.0 sind Art und Umfang der erfolgreichen Selbstorganisation und hierarchiefreien Kommunikation. Während sich klassisch strukturierte Unternehmen durch hierarchische Strukturen und Prozesse auszeichnen, werden im Enterprise 2.0 an vielen Stellen Hierarchien bewusst flexibilisiert, um damit den notwendigen Raum für eine erfolgreiche Selbstorganisation zu schaffen. Mit der dadurch ermöglichten dauerhaften Innovationsdynamik und Kreativität, lässt sich die Leistung eines Unternehmens um ein Vielfaches steigern.
Die Grenzen zwischen internen Mitarbeitern, externen Kooperationspartnern und Kunden verschwimmen zunehmend. Gleichzeitig erfordern verkürzte Produktlebenszyklen von Unternehmen, schnell und flexibel zu reagieren und Entscheidungen zu treffen, um neue Produkte und Dienstleistungen an den Markt zu bringen. Starre, hierarchische Kommunikations- und Organisationsstrukturen erscheinen in diesem Umfeld langfristig wenig überlebensfähig. Enterprise 2.0-Technologien und -Konzepte bieten in diesem Umfeld neue Ansatzpunkte, um vernetzte Kommunikations- und Organisationsstrukturen zu unterstützen. Kurz: um als schnell lernendes Unternehmen innovationsfähiger zu sein. Dazu gilt es über Jahre verfestigte Mauern zwischen Mitarbeitern einzureißen.
Während die Vernetzung von Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Kunden das Leitmotiv des Enterprise 2.0 ist, sind seine Werkzeuge innovative Web 2.0-Technologien. Sie geben allen Mitarbeitern die Kontrolle über ihr Tun, lassen ihnen Handlungsspielraum und machen sie unabhängig von den Vorgaben und Restriktionen traditioneller IT. Solche Enterprise 2.0-Plattformen basieren auf Social Software-Erweiterungen um Web 2.0-Funktionen wie Profil-Management, Multimedia-Blogs, User Generated Content, Bewertungs-Tools, Tag Clouds, RSS-Feeds und Voting, Kollaboratives Filtern oder Kommentarfunktionen.
Die Einführung von Social Software und Web 2.0-Technologien bedeutet vor allem einen Wandel der Unternehmenskultur. Technologie kann ein effektives Werkzeug sein, doch maßgeblich ist das Miteinander der Menschen. Bei allen Social Software-Tools geht es immer um den zentralen, für Unternehmen relevanten Punkt des Web 2.0: die bestmögliche Nutzung der kollektiven Intelligenz.
Auch wenn die Entwicklung noch relativ jung ist zeichnet sich eines schon klar ab: Es sind deutliche Effizienzgewinne durch den Einsatz von Enterprise 2.0-Werkeugen nachweisbar. Dadurch, dass Mitarbeiter unternehmensweit einfach und schnell Wissen austauschen, wird beispielsweise Doppelarbeit vermieden. Die Einarbeitung in neue Themen und Ad-hoc-Lösungen von Problemen können schneller und effizienter bewältigt werden weil die richtigen Ansprechpartner zeitnah aufgefunden werden. Darüber hinaus steigert der direkte Austausch innerhalb großer Teams über Social Media die Innovationsdynamik deutlich. Die Erfahrung hat gezeigt: Je besser die Vernetzung ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für neue Lösungsmuster. Effizientes Wissensmanagement bedeutet nicht, das ganze Wissen eines Unternehmens in Datenbanken zu dokumentieren – ein Ohnehin recht fragwürdiges Ziel mit trügerischem Nutzen – sondern vielmehr, die Träger und Nachfrager des Wissens situativ in Kontakt miteinander zu bringen.
Eine unternehmensweite Anwendung von Enterprise 2.0 setzt zunächst eine offene, von Vertrauen geprägte Unternehmenskultur und -kommunikation voraus, in der alle Mitarbeiter am Innovations- und Problemlösungsprozess teilnehmen. Vertrauen ist ein Schlüsselthema, wenn es um Enterprise 2.0-Technologien in Unternehmen geht. Entscheidend ist eine sichere und vertrauensvolle Einbindung sowohl der Mitarbeiter als auch externer Partner sowie Kunden.
Die Einführung eines Enterprise 2.0 ist ein Prozess in kleinen Schritten. Und welche Schritte gegangen werden, sieht in jedem Unternehmen anders aus. Das beste Change Management besteht darin, erfolgreiche Projekte zu ermöglichen. Die Nutzung unternehmensweiter Intelligenz ist das Ergebnis und nicht der Anfang.
Eine der größten Herausforderungen für das Management ist sicherlich “die Kunst, loszulassen.” Der Verlust von Kontrolle in ihrer bekannten Form ist jedoch eine gewollte Wirkung des Enterprise 2.0. David Weinberger, Fellow am Berkman Center for Internet and Society der Harvard Law School und einer der Autoren des Enterprise 2.0-Standwardwerkes vertritt die These, dass der Verlust von Kontrolle das Web und das Internet zu den bedeutendsten Schauplätzen von Innovation in der Geschichte der Menschheit macht.
Wer seine Mitarbeiter möglichst umfassend untereinander verbinden will, der muss akzeptieren, dass Informationen nicht mehr in den gewohnten Bahnen von oben nach unten oder umgekehrt fließen und auf diesem Weg viele Filter durchlaufen, sondern dass sie sich weitgehend ungehemmt ausbreiten. Erfassung von Arbeitszeit, Abteilungsgrenzen, enge Aufgabengebiete und in größeren Konzernen die Trennung in viele Tochtergesellschaften verhindern die im Enterprise 2.0 gewollten Netzwerkeffekte. Wissen wird geteilt und nicht in erster Linie benutzt, um die eigene Herrschaft zu sichern. Technologien, die das Wissens- und Innovationsmanagement in Unternehmen unterstützen, hatten in der Vergangenheit häufig das Problem, dass sie von den Anwendern in Unternehmen nicht in ausreichendem Umfang akzeptiert und damit nicht voll genutzt wurden. Eine breite Nutzer- und Nutzungsbasis ist allerdings zentrale Voraussetzung für den effizienten Einsatz von Wissensmanagement- und Kollaborationslösungen.