Beiträge mit Tag ‘Digital Natives’
Allgemein - Freitag, April 9, 2010 20:10 - 7 Comments
Digital Natives: Unser Beitrag für das Zweite
Gestern waren wir zu einem Impulsworkshop in Mainz beim ZDF eingeladen. Wir das heißt Willms, Daniel, neun Vertreter der Netzgeneration und ich. Thema des Workshops war letztlich die Frage was das ZDF an seinem Bewegtbildprogramm ändern muss, um gerade für die junge Generationen interessant zu werden. Geladen hatte uns dazu Robert Amlung, der Leiter der digitalen Strategie beim ZDF. Mit dabei war der illustre Kreis von ca. 15 weiteren ZDF Redakteuren und Managern die zu einem ZDF- internen Change-Team gehören.
Wir waren wirklich gespannt auf die Runde und vor allem auf die Impulse die wir zu setzen in der Lage sein würden. In einem PreWorkshop eine Woche zuvor beschäftigten wir uns schon einmal mit dem Thema “Fernsehen der Zukunft” und kamen zu einigen interessanten Ergebnissen. Zuerst stellten wir fest, dass wir das Fernsehprogramm im Alltag nicht mehr strikt senderbezogen wahrnehmen, sondern selektiv und individuell auswählen was wir gucken wollen. Die Fernsehzeitschrift hatte bei den meisten von uns Netzeinwohnern eh keinen Platz mehr auf dem Wohnzimmertisch, da hält dann der Laptop und der schnelle Blick ins Netz her. Wenn wir erst einmal nach unserer zumeist amerikanischen Lieblingssendung suchen, wird diese auch oftmals gleich im Originalton im Netz geschaut. Außerdem fehlte uns ganz klar der Dialog mit dem Zuschauer, also uns! Das ZDF hat zwar eine Menge Facebookseiten (42 wie wir im Nachhinein hörten) und einige Twitteraccounts, aber da keiner von uns großer “Wetten dass…” Fan ist (dem aktivsten Social Media Kanal des ZDF) werden diese einfach nicht wahrgenommen.
Im Nachgang des PreWorkshops setzten wir dann eine Facebookseite auf, wo wir die Ergebnisse des weiter diskutierten und unsere Netzwerke um Hilfe baten. Es kamen einige interessante Impulse dazu, wie das meiner Meinung vorbildliche Beispiel des spanischen Senders VEO7. Hier Twittern alle 9 Redakteure des Senders selbst und treten so offen mit ihren Zuschauern in Kontakt. Das Format Twision nimmt sogar die Tweets der Zuschauer mit auf, so führen die Moderatoren Twitterinterviews durch – live und direkt. Der Erfolg scheint Ihnen recht zu geben, die über 1.796 Tweets in der ersten Sendung katapultierten #veo7 sofort auf Rang fünf der spanischen Twitter Top Trending Liste. Insgesamt schalteten 659.000 Zuschauer ein. Natürlich ist das nicht zu vergleichen mit dem 8 mio. Publikum bei “Wetten dass…”, aber in der Konsequenz der offenen und authentischen Ansprache ist dieses Format ein echtes Vorbild für uns Netzbewohner.
In Mainz angekommen leitete Willms den Workshop mit einem ersten Aufwärmen in Zweierinterviews ein. Dies baute schnell eine Brücke zwischen Managern, Redakteuren und Digital Natives. Wir kamen gleich in fruchtbare Diskussionen und nahmen auf beiden Seiten wichtige Erkenntnisse mit. Die dann gefundenen Hauptthemen: Dialog & Kanäle, Marken & Formate sowie das Thema on demand wurden dann in OpenSpace Manier bearbeitet, jeder konnte an den Gruppendiskussionen frei teilnehmen und wechseln.
Der spannendste Teil war meiner Meinung aber die abschließende „FishBowl“ Diskussionsrunde. Hier setzten sich alle Teilnehmer des ZDF in einen Stuhlkreis um die Eindrücke zu besprechen, also was jeder aus dem Workshop mitnehmen würde. Zusätzlich gab es zwei „heiße Stühle“ für uns Netzeinwohner, die frei besetzt werden konnten um Impulse und Fragen in die Runde zu geben. Schnell kam man in eine Diskussion um Themen wie dem oben beschriebenen selektiven Fernsehverhalten. Mutig fand ich die Aussage einer Redakteurin, die das Thema aufnahm und offen als Scheideweg zum Fernsehen der Zukunft beschrieb. Auch der Ausspruch eines Managers, dass die ZDF-internen Prozesswege oftmals einfach zu langsam für schnelle und innovative Änderungen seien, war lobenswert offen und ehrlich. Schade war in meinen Augen die Tatsache, dass die Diskussion dann schnell sehr fachlich wurde.
Die Zielsetzung des Workshops war in erster Linie Impulse zu geben, die Lust machen auf echte Veränderung. Den Schritt dahin können wir als Außenstehende mit den Managern nicht tun sondern nur unterstützen. In einem solchen Workshop wollen wir die Möglichkeit nutzen den Managern des Unternehmens einen Spiegel als zukünftiger Kunde und zukünftiger Mitarbeiter vorzuhalten. Wir fragen uns also aus Sicht des Kunden der Dienstleistung oder des Produktes was wir ganz persönlich für verbesserungswürdig halten, wir als Kunde angesprochen, wahrgenommen und somit ernst genommen werden wollen. Eine zweite Sichtweise wäre dann die des zukünftigen Mitarbeiters, wie soll ein Arbeitsplatz in dem Unternehmen optimalerweise aussehen?
Abschließend ist das Feedback auf den Workshop jedoch als positiv zu bezeichnen und ich hoffe, dass es der Beginn einer interessanten Reihe derartiger Zusammenkünfte in Mainz ist. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle Teilnehmer des Workshops und ganz besonders an: Cedric, Christian, Katharina, Leo, Manuel, Maxi, Oliver, Rob und Stefan.
Ich freue mich über Kommentare und Beiträge zu diesem Blogeintrag!
- Enterprise 2.0 im echten Leben: OpenSpace bei den Bell Labs
- Gute Stimmung auf dem T-Systems OpenSpace
- IT-Gipfel OpenSpace: Vom Bildungssystem von heute zur lernenden Organisation von morgen. Am 7. Dezember von 14:30 bis 17:30 Uhr im Mercedes Benz-Museum Stuttgart
- Freikarten für Digital Natives: KnowTech 2009 – 11. Kongress zum IT-gestützten Wissensmanagement am 06.-07. Oktober 2009 Bad Homburg